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|Die neu gegründete Academy des Deutschen Instituts für Erfindungswesen will die Innovationskraft Deutschlands bündeln.

Deutschland kommt im internationalen Vergleich bisher noch zu guten bis sehr guten Ergebnissen bei der Innovationskraft – dies ist eines der zentralen Ergebnisse des „Internationalen Benchmarks Innovationssysteme“, das kürzlich von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) in Vorbereitung des „Innovationsdialogs zwischen Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft“ erstellt wurde. Das von der Bundeskanzlerin ins Leben gerufene Gremium hat sich zum Ziel gesetzt, nachhaltiges Wachstum in Deutschland durch die Förderung von Innovation sicherzustellen. Auch dem Mittelstand bescheinigt die aktuelle acatech-Studie grundsätzlich eine hohe Innovationsorientierung. Bedrohungen für die Innovationskraft Deutschlands identifiziert der Bericht vor allem im Bereich Humankapital (Fachkräftemangel, Bildungssystem), Innovationsfinanzierung und Wissenstransfer von der Forschung in die Industrie.

Wie bedeutend kontinuierliche Innovationszyklen für ein an Rohstoffen armes Land geworden sind, zeigt ein aktueller Blick auf die Wachstumsbranche Solartechnologie. „Im Bereich der Photovoltaik hat China im Jahr 2009 erstmals den bisherigen Weltmarktführer Deutschland bei den Stückzahlen für Solaranlagen überrundet“ berichtet Lars Waldmann vom Technologiekonzern SCHOTT Solar, der unter anderem auf die Herstellung von Glaselementen für Solaranlagen spezialisiert ist. „Im Vergleich deutlich geringere Produktionskosten, eigene Rohstoff-Ressourcen und eine hohe Preisaggressivität sichern China ständig steigende Marktanteile.“ Eine detaillierte Analyse der Produktionsabläufe bei SCHOTT Solar führte zu folgenden Kernergebnissen: Hohe Qualität und lange Lebensdauer sind nach wie vor zentrale Produktvorteile deutscher Solaranlagen gegenüber der chinesischen Konkurrenz, und müssen deshalb in besonderem Maß in den Verfahrensabläufen gewährleistet werden. Darüber hinaus führt eine intensive Vernetzung mit anderen Marktpartnern zu einer deutlich höheren Innovationskraft. „In einer bisher einzigartigen Zusammenarbeit mit Technologiepartnern ist es uns gelungen, erstmals ein Solarprodukt mit dem unerreichten Wirkungsgrad von 17,6 Prozent herzustellen – ein klarer Wettbewerbsvorteil, mit dem wir sicherlich Marktanteile zurückgewinnen werden“, sagt Waldmann.

| Innovations-Academy nach dem Oscar-Vorbild
Innovationsförderung durch Vernetzung ist auch das Ziel der neuen Academy des Deutschen Instituts für Erfindungswesen (DIE). Das DIE verleiht in jährlichem Turnus die Dieselmedaillen für herausragende Innovationen und ihre erfolgreiche Markteinführung (der WirtschaftsKurier berichtete im vergangenen Jahr ausführlich). Berühmte Preisträger der seit 1952 bestehenden Auszeichnung sind unter anderem Wernher von Braun, Gottlob Bauknecht, Arthur Fischer, Anton Kathrein, Walter Sennheiser sowie die SAP-Gründer Dietmar Hopp, Prof. Dr. h.c. Hasso Plattner und Dr. h.c. Klaus E. Tschira. Ganz nach dem Vorbild der US-amerikanischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS), deren rund 6.000 Mitglieder an der jährlichen Oscar-Nominierung beteiligt sind, wurde im April in München die DIE-Academy gegründet. Möglichst viele „Macher“ mit aktivem Bezug zur deutschen Innovationslandschaft sollen als Mitglieder hier die Möglichkeit haben, den Nominierungsprozess für die Dieselmedaille aktiv zu unterstützen. Sie erhalten ein aktives Vorschlagsrecht bei der Nominierung für die jährliche Verleihung der Dieselmedaillen in vier Kategorien, werden regelmäßig über laufende Entwicklungen in der deutschen Innovationslandschaft informiert und haben schließlich auch die Möglichkeit, am jährlichen Festakt zur Preisverleihung in München teilzunehmen. „Tausende Augen sehen einfach mehr als ein kleiner Kreis von Experten. Das Dieselkuratorium wünscht sich deshalb interessierte Patentanwälte, technologieaffine Unternehmer, Ingenieure, Hochschullehrer, mittelständische Technologieexperten, Gutachter, Fachjournalisten und sonstige überzeugte Innovationsschaffende als Mitglieder für die DIE-Academy“, erklärt Professor Dr. Alexander Wurzer, Vorsitzender des Dieselkuratoriums, das aus allen Nominierungen die Preisträger auswählt, und ergänzt: „Durch ihr Nominierungsrecht können Mitglieder Innovationsleistungen aus ihrem geographischen oder beruflichen Umfeld zu erhöhter Bekanntheit und somit zu besseren Realisierungschancen verhelfen – dies ist ein klarer Vorteil sowohl für sie selbst, als auch für die Innovations-Schaffenden und den Innovationsstandort Deutschland.“

| Kooperationen mit namhaften Verbänden
Auch Dr. Heiner Pollert, Vorsitzender DIE, ist von der Durchschlagskraft der neuen Academy überzeugt: „Eine Gesellschaft kann sich im globalen Wettbewerb nicht mehr leisten, großartige Innovationen einfach liegen zu lassen.“ Aus diesem Grund spielen auch Kooperationen eine wichtige Rolle im Gesamtkonzept der DIE-Academy. Im ersten Schritt soll der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) mit seinen rund 160.000 Mitgliedern die Möglichkeit erhalten, innovationsbegeisterte Unternehmer für die Academy zu begeistern. Ähnliche Maßnahmen sind mit dem Verband Deutscher Ingenieure,, den Patentanwaltsverbänden, dem Europäischen und dem Deutschen Patentamt und Hochschulverbänden vorgesehen. Durch die Bildung einer Dachorganisation für Innovationsförderungsinitiativen will die DIE-Academy darüber hinaus in Zukunft eine zentrale Rolle bei der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Weiterentwicklung der Innovationskultur in Deutschland und Europa einnehmen.

Dieser Artikel ist im BVMW-Magazin „Der Mittelstand“ erschienen und erscheint in der Juni-Ausgabe des „WirtschaftsKurier“.

Das Deutsche Institut für Erfindungswesen (DIE), die DIE-Academy sowie die jährliche Verleihung der Dieselmedaille werden von der PR Agentur WORDUP in München betreut.

| Zum Download des Artikels im WirtschaftsKurier Juni 2011