Nominiert für die Dieselmedaille 2013 in der Kategorie Nachhaltigste Innovationsleistung (Teil 6)

Konrad Müller-Auffermann, Wissenschaftler an der Technischen Universität München (TUM)- Kontinuierliche Fermentation zur Bierbereitung

Der Bierbrauprozess gilt allgemein als einer der ältesten, gezielt angewandten, biotechnologischen Verfahren der Menschheit. Dabei werden seit jeher die einzelnen Prozessschritte, die zur Herstellung von Bier erforderlich sind, optimiert. Konrad Müller-Auffermann, Wissenschaftler an der Technischen Universität München (TUM), hat jetzt gezeigt, wie sich qualitativ hochwertiges Bier langfristig auch mit Hilfe eines kontinuierlichen Gärverfahren herstellen lässt. Durch das von ihm entwickelte Verfahren wird die Effizienz und Effektivität der Anlagen gesteigert, Ressourcen werden besser genutzt und es fallen geringere Emissionen und Energiespitzen an, wodurch der Prozess signifikant ökologischer wird.

Weltweit werden derzeit jährlich mehr als 177 Milliarden Liter Bier produziert -Tendenz steigend. Dabei erfolgt die Gärung und Lagerung, welche die zeitaufwändigsten Produktionsschritte bei der Bierbereitung darstellen, immer noch fast ausschließlich auf klassische Art und Weise, im Chargenbetrieb.

Nachweislich bemühen sich Technologen bereits seit mehr als 100 Jahren, die Biergärung aufgrund bekannter Vorteile kontinuierlich zu gestalten. So existieren bereits zahlreiche Konzepte, die sich jedoch bisher aus verschiedenen Gründen nicht in der Praxis durchsetzen konnten.

Das Verfahrenskonzept von Müller-Auffermann, welches im Kleinmaßstab erfolgreich in mehreren Langzeitversuchen am Forschungszentrum Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität getestet wurde, ist dabei vergleichsweise einfach. In brauereiübliche, zylindrokonische Tanks wird ein zentrales, nach unten hin offenes, strömungslenkendes Rohr eingebaut, so dass die Einleitung und Ableitung des Substrates nun kontinuierlich in den oberen Tankbereich erfolgen kann. Mehrere dieser Tanks werden in Reihe zu einer sogenannten Kaskade geschaltet, wobei das Durchströmen des Systems vorzugsweise über einen Druckgradienten erfolgt. Den Schlüssel zum Erfolg stellt dabei die Hefebehandlung dar.

Mehrere internationale Brauereigruppen sowie Maschinen- und Anlagenbauer haben bereits ernsthaftes Interesse an dem Verfahren und der Technologie bekundet, sodass nun eine Umsetzung im industriellen Maßstab erfolgen soll. Sollte der Prozess diesen Test bestehen, so könnte sich die Gärungsindustrie langfristig grundlegend verändern und der Prozess deutlich nachhaltiger werden.