Ulrike Protzer: Aufnahme durch Eckert / Heddergott

Wissenschaftskommunikation: Interview mit Bayerns TOP-Virologin

Transparente und akkurate Kommunikation gehört zu den zentralen Aufgaben aller beteiligten Institutionen und Organisationen in der Corona-Krise. Bürger möchten wissen, wo wir stehen in der Bekämpfung der weltweiten Pandemie, wie die nächsten Schritte ausgestaltet werden und was sie selbst gerade tun können, um sich und andere optimal zu schützen. In Zeiten von Social Media und gezielten Kampagnen sind es leider nicht immer nur nur verlässliche und nachprüfbare Informationen, die uns in der fast unüberschaubaren Corona-Nachrichtenflut inzwischen Tag für Tag erreichen. Andere Teilinformationen beschreiben hingegen hoch komplexe Zusammenhänge und Forschungs-Zwischenergebnisse, die für die Allgemeinheit oft nur sehr schwer einzuordnen sind.

In seiner Funktion als Politikchef des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft in Bayern hat Achim von Michel deshalb Anfang Mai zusammen mit einer Verbandskollegin ein einstündiges Gespräch mit Bayerns TOP-Virologin Professor Dr. Ulrike Protzer geführt. Prof. Protzer (*1962) arbeitet auf dem Gebiet der Virus-Wirt Interaktion des Hepatitis B Virus. Der Schwerpunkt ihrer Arbeiten liegt auf dem molekularen und immunologischen Verständnis der Viruskontrolle. In jüngster Zeit hat sie sich auch wieder der weiteren Erforschung von Corona-Viren gewidmet. Als Mitglied im Expertenrat der Bayerischen Staatsregierung zur Corona-Krise ist sie eine der Top-Virologinnen Bayerns.

Wo steht Bayern in der Pandemiebekämpfung? Wird es eine zweite Infektionswelle geben? Gibt es eine Hintergrund-Immunität in der Bevölkerung durch frühere Infektionen mit anderen Corona-Viren? Was müssen Unternehmen jetzt unbedingt beachten, um die Hygieneregeln optimal umzusetzen? Wie weit werden die Testkapazitäten hochgefahren und welche Rolle spielen dabei Unternehmen wie Roche Pharma aus Penzberg? Wann wird eine Impfung zur Verfügung stehen und ist der Durchbruch eines-RNA-Impfstoffs überhaupt denkbar?

Diese und viele andere Fragen diskutierte BVMW-Politikchef Achim von Michel mit der Virologin und ging dabei auch auf die Rolle der Fachärzte in der Kommunikation für breite Gesellschaftsschichten ein. Es sei nach seiner Ansicht nicht immer nachvollziehbar, warum bis zu sechs hochkompetente Virolog*innen mit in Einzelheiten auch abweichenden Teilinformationen permanent in den Publikumsmedien präsent seien, und so für eine gewisse Verunsicherung in der Bevölkerung aufgrund nicht immer klarer Faktenlage beitragen würden. Auch über wenn die – übrigens sogar von der Bundeskanzlerin teils als unglücklich empfundenen – Kommunikationsstrategie im Webinar letztlich kein Konsens erzielt werden konnte, so überzeugte Frau Professor Protzer den ausgewählten Zuhörerkreis der mittelständischen Unternehmer*Innen in jedem Fall durch detailliertes Fachwissen, eine souveräne Einschätzung der Gesamtlage und eine klar verständliche “Übersetzung” ihres hoch komplexen Fachgebiets in gut verständliche Laiensprache.

Foto Ulrike Protzer durch Eckert / Heddergott

Hier die vollständige Aufzeichnung des webinars auf youtube: